Wenn Authentizität auf der Strecke bleibt und der Kunde für dumm verkauft wird?!
Gestern bin ich über die Website eines Hotels in Meran gestolpert, das ganz groß auf der Startseite damit warb, das “Kleinste und privateste Luxushotel in den Dolomiten” zu sein. Sehen wir einmal davon ab, dass es das Wort “privateste” nicht gibt und in diesem Zusammengang privat überhaupt keinen Sinn macht. Schauen wir lieber auf die Karte, wo die Dolomiten liegen. Von besagten Hotel sind es gut gemeinte 60 Minuten auf der Autobahn an Bozen vorbei - staufrei versteht sich. Das Hotel liegt nicht einmal am Rande der Dolomiten, geschweige denn Mitten drinnen, wie es die Website suggeriert.
Solche dreiste Täuschung hat mich dann doch etwas mehr interessiert und daher habe ich den Pressekontakt (eine österreichische PR-Agentur) angeschrieben. Die Antwort erfolgte prompt nach wenigen Stunden und war zum Haareraufen. Da steht doch wirklich im digitalen Brief, dass es doch eigentlich egal sei, weil irgendwo ab Frankfurt sowieso keiner mehr so genau wisse, wo denn die Dolomiten liegen. Wichtig sei, dass die Vorstellung von alpinen Ambiente stimmt. Man kann bei dieser Aussage m.E. getrost den harten Begriff der bewussten Täuschung verwenden.
Ich glaube nicht, dass die Verantwortlichen auch nur einen Gedanken daran verschwendet haben, welche fatalen Auswirkungen doch diese bewusste Täuschung mit sich bringt. Kann ich den Aussagen der Website auch nur einen Punkt vertrauen, wenn ich als Gast schon so plump auf der Startseite in die Irre geführt werde? Eine Vorstellung von negativer Berichterstattung in den Zeiten des Mitmachwebs im Bewertungswahn haben sie auf keinen Fall. Aber die Aktion wird ja von einer professionellen PR-Agentur begleitet, die verstehen sich bestimmt auch auf Krisen-PR.